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Das Stichwort
“Urbanität” war in der Mitte der 70er Jahre zum neuen Leitbild
geworden; eine Entwicklung, die nicht wie die Phasen zuvor von der Sowjetunion
geprägt war, sondern aus eigener Kraft geschaffen wurde. Man verstand sie
als eine Mischung der einzelnen Grunddaseinsfunktionen. Es durfte nun auch von
“der ‚sozialistischen Menschengemeinschaft‘ im Städtebau
gesprochen werden” (von Beyme 1987, 302): Den Menschen der
Arbeiterklasse verbunden mit ihren Wünschen wurde mehr Beachtung
zuteil.
Die steigende
Wohnungsknappheit, der man mit der industriellen Bauweise in der vorangegangenen
Phase entgegentrat, verbunden mit der weiterhin engen Finanzlage, ließ in
der Städteplanung die Erkenntnis reifen, auf die bestehende Altbausubstanz
zurückzugreifen. Ein Wohnungsbauprogramm regelte die Modernisierung. In der
Zeit von 1971 bis 1990 schuf man so rund zwei Millionen neue Wohnungen. (vgl.
Köhn und Beck 1996) Man griff nun auf die heruntergekommene marode
Altbausubstanz zurück, die in den vorangegangenen Jahren dem Verfall
preisgegeben war. “Doch sind wohl weniger die Besinnung auf Erhaltung
historischer Bauten als ökonomische Gründe für diese Entwicklung
verantwortlich zu machen, denn die wirtschaftliche Situation in der DDR
erforderte es, material- und energiesparend zu bauen” (Hewitt et al
1993, 444).
Obwohl die DDR
ein fortschrittliches Denkmalschutzprogramm hat, erledigt sich das
Erhaltungsproblem geschützter Gebäude oft genug durch
“Selbstvernichtung” mangels Pflege. Nicht mehr viele der historisch
wertvollen Gebäude konnten restauriert werden. “Überhaupt ist es
wohl für die heutige Altstadtsanierung in der DDR charakteristisch,
daß sie meist nur noch Teil-Rekonstruktionen unternimmt und die anderen
Gebiete flächenhaft abreißt” (Schöller 1986, 34).
So ist das historische Werningerode (Abbildung 5) nur eines der wenigen
Beispiele erhaltener Altstadtsanierung.
Neubauten waren
nur noch innerhalb der bereits bebauten Flächen der Städte und
Gemeinden zu errichten. So lautete ein Artikel aus dem neuen Baulandgesetz,
welches 1985 in Kraft trat. Damit wurde das Ende der Trabantensiedlungen
besiegelt und das Wohnungsbaugeschehen verlagerte sich in die Innenstädte.
Die Fertigbauweise als ökonomisch sinnvolles Prinzip wurde dennoch
beibehalten.
Im Zuge der
aufkommenden Ästhetisierung setzte sich in der DDR in den 80er Jahren nun
auch die Fußgängerzone als beliebte Modernisierungsmaßnahme
durch. Betrachtet man die Entwicklung in der Sowjetunion, so ist dort eine
solche Tendenz noch nicht zu erkennen gewesen. In Verbindung mit den
gesteigerten Bedürfnissen der Bevölkerung steht auch der Wunsch nach
mehr Spezialgeschäften. Diese sollten zum einen die funktionale Vielfalt
der Innenstädte erweitern und zum anderen den mittlerweile unbeliebten
Universalgroßmarkt vom sowjetischen Typ “Univermag”
ablösen; diese Einkaufshallen stellten bis zu diesem Zeitpunkt in vielen
Städten die einzige Einkaufsmöglichkeit dar. (vgl. von Beyme
1987, 302)
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